Vokabeln schnell lernen und dauerhaft behalten - Teil I | Kerstin Wandel

Vokabeln schnell lernen und dauerhaft behalten – Teil I

Vokabeln lernen - Frau beißt auf Stit

20 Tipps, die du so noch nicht gehört hast

Ich kann mir einfach keine Vokabeln merken!“

Vielleicht hast du dir das auch schon das ein oder andere Mal gedacht. Aber ich kann dir garantieren: Das stimmt nicht! Du lernst dauernd neue Worte dazu. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, sich ständig neues Wissen anzueignen. Das glaubst du nicht? Dann hier der Beweis:

Noch vor wenigen Monaten werden dir die Worte „Corona“, „lockdown“ oder auch „social distancing“ nichts gesagt haben, aber jetzt sind sie fester Bestandteil unser aller Wortschatzes. Du KANNST dir also Vokabeln merken – Hooray!

Daher folgt hier mein erster ultimativer Tipp fürs nachhaltige Vokabellernen:

1. Ersetze hinderliche Glaubenssätze

Streiche den Satz „Ich kann mir… einfach nicht merken“ aus deinem Wortschatz und ersetze ihn z.B.: durch: „Es fällt mir manchmal schwer, aber ich kann mir Dinge merken!“ Eine positive Einstellung wird dich motivieren, das Vokabellernen erfolgreich anzugehen.

2. Verknüpfe die Vokabel mit deinem Alltag

Warum können wir uns Worte wie „social distancing“ oder „home office“ (übrigens ein Begriff, der im Englischen nicht benutzt wird!) so gut merken? Weil wir sie immer und immer wieder hören und wir deren Auswirkungen in unserem täglichen Leben spüren. Was etwas mit unserem Leben zu tun hat, können wir behalten. Und das können wir uns zunutze machen.

Wenn du Vokabeln lernst, versuche sie so gut wie möglich mit deinem Alltag zu verknüpfen. Du kannst z.B. Küchenvokabeln in der Küche lernen, indem du die entsprechenden Gegenstände anguckst oder noch besser in die Hand nimmst und dir dann das Wort aus der Fremdsprache dazu merkst. Nun, wann auch immer du oder jemand anders diesen Gegenstand benutzt, erinnere dich an das englische Wort. „Lege“ das fremdsprachliche Wort quasi auf den Gegenstand.

3. Stell dir das Wort vor

„Das ist ja schön und gut,“ magst du jetzt vielleicht denken, „aber was ist mit den ganzen Wörtern, zu denen ich entweder keine Gegenstände zu Hause aber oder die abstrakt sind, wie z.B. ‚democracy‘ oder ‚Planierraupe‘? Nichts leichter als das – zeichne einfach ein Bild vor deinem inneren Auge. Was verbindest du mit dem Begriff Demokratie? Eine Wahlurne vielleicht? Stelle dir das vor. Du kannst den Effekt noch verstärken, indem du tatsächlich ein Bild zu dem Wort zeichnest. Ich würde dir aber empfehlen, das nur zu tun, wenn du große Schwierigkeiten hast, dir diese Vokabel einzuprägen. Sonst kann das schnell dazu führen, dass du eine lange Mal-Session einlegst, aber am Ende des Tages nur zwei neue Vokabeln kannst.

4. Beweg dich

Es ist nicht nur gut, sich nach dem Vokabellernen zu bewegen und z.B. joggen zu gehen oder auch einfach den Abwasch zu machen, weil die neuen Wörter dann wie im Gehirn verankert werden, sondern es hilft auch, sich zu der Vokabel selbst zu bewegen.

Das kannst du natürlich wieder ganz konkret machen und z.B. winken, wenn du die Vokabel „to wave“ lernst, aber es klappt auch weniger handfest. Einer meiner Schüler hatte wirklich riesige Probleme, sich die einfachsten Wörter zu merken und selbst die Farben bereiteten ihm große Schwierigkeiten. Also stellte er sich vor, wie er das Wort „yellow“ an eine Wand sprayt und machte dazu die entsprechende Bewegung. Seitdem muss er nur zu dieser Bewegung ansetzen, wenn er nicht gleich auf das Wort kommt und erinnert sich. Sein Körper hat sich das Wort gemerkt.

5. Denk dir eine Geschichte aus

Es ist unglaublich unnatürlich, sich eine Liste mit kontextlosen Wörtern einprägen zu wollen. So funktionieren wir Menschen einfach nicht!

Wenn du aber trotzdem eine Liste mit Vokabeln irgendwie in deinen Kopf kriegen musst, kann es helfen, dir eine Geschichte auszudenken, in der diese Vokabeln vorkommen. Die Geschichte kann durchaus Deutsch sein und die Vokabeln dann in der Fremdsprache. Das habe ich oft erfolgreich mit meinen Latein-Schülern gemacht, die viel Spaß dabei hatten. Denn dieser Sprachenmix klingt nicht nur witzig, der Kontext – so absurd er sein mag – hilft unserem Gehirn, Verknüpfungen herzustellen. Und wenn man das ganze dann auch noch repeatet, am besten jeden day zur gleichen time, kann man sein Englisch ganz schnell  improven 😉

6. Hab‘ Spaß

Du siehst, Lernen funktioniert am besten, wenn es Spaß macht. Ein erster Schritt dahin ist oft das eigene Mindset, weg von „Ich muss das jetzt auch noch machen.“ hin zu „In einer halben Stunde werde ich schon richtig was weggeschafft haben!“ Es gibt keine „richtige“ Methode, Vokabeln zu lernen. Richtig ist, was für dich funktioniert.  Wenn du gerne tanzt und singst, lerne Vokabeln auf diese Weise. Bist du gern sportlich aktiv, nutze das. Bist du ein Bücherwurm, dann eigne dir durchs Lesen neues Vokabular an. Eine Sache, die übrigens super funktioniert, ist, eine Zeitschrift zu einem Thema zu lesen, das du liebst. Dann wirst du durch das Thema motiviert sein, die neuen Worte verstehen zu wollen (und oft schon aus dem Zusammenhang verstehen), aber dazu mehr in Teil II.

7. Schaffe dir eine schöne Lernumgebung

Verknüpfe das Vokabellernen mit schönen Dingen.

Zu welcher Tageszeit geht es dir besonders gut? Hast du einen Lieblingsplatz im Haus oder im nahegelegenen Park? Mache dir eine Duftkerze an, schnapp dir dein Lieblingsgetränk und deine Kuscheldecke oder sag dir deine Vokabeln laut beim Workout vor. Wichtig ist, dass du in einer Umgebung lernst, die dir ein gutes Gefühl gibt und in der du dich gut konzentrieren kannst. Wenn dir Musik dabei hilft, dich zu konzentrieren, mach dir Musik an. Manche lernen sogar am besten, wenn der Fernseher läuft, aber sei ehrlich mit dir selbst! Eins kann ich dir aber versichern: Soziale Medien lenken ab und sind üble Zeitfresser. Also lege dein Handy am besten in einen anderen Raum und nimm dir 20 Minuten konzentriert Zeit.

8. Entwickle Routinen

Entscheidungen zu treffen, kostet Energie und was Energie kostet, meiden wir. Wenn wir aber Routinen entwickelt haben, fangen wir eher an oder noch besser: Wir merken nicht einmal, dass wir es tun. Das Gleiche gilt fürs Vokabellernen. Ein wenig, aber häufig ist viel effektiver als eine seltene „cram session“, also eine lange Zeit, in der du versuchst, alles auf einmal zu lernen.

Besonders hilfreich ist es, eine Routine, die man einüben will, an eine bereits bestehende zu koppeln. Du kannst dir z.B. angewöhnen immer beim Zähneputzen Vokabeln zu wiederholen. Das klingt erst mal nicht viel, aber zwei Mal drei Minuten am Tag macht fast 45 Minuten in nur einer Woche. Das ist definitiv besser als nichts und richtig gut fürs Fremdsprachenlernen, denn häufiges Wiederholen macht den Meister!   

9. Sag die Liste der Vokabeln auswendig her

Du solltest immer nur ca. 7-12 Vokabeln in einer Sitzung lernen und dann eine Pause einlegen. Aber Achtung – sei aktiv: Bring den Müll raus, lauf um den Block, mache 10 Kniebeugen oder ruh dich kurz aus. Nimm keine neuen Informationen auf, indem du auf sozialen Medien unterwegs bist, einen Film guckst oder etwas liest. Diese neue Information „überschreibt“ sozusagen die Vokabeln, die du gerade gelernt hast!

Wenn du also fertig bist mit dem Lernen oder dem Lernen eines Blocks von 7-12 Vokabeln, erinnere dich aktiv an sie. Versuche also, sie hintereinander auswendig herzusagen. Die Vokabeln, auf die du so nicht kommst, solltest du noch einmal wiederholen.

10. Halte dir dein Ziel vor Augen

Nichts motiviert uns mehr, als ein Ziel vor Augen zu haben. Wenn wir keines haben, kommt uns das, was wir tun müssen, völlig sinnlos vor und dagegen werden wir automatisch innerlich rebellieren.

Halte dir also dein Ziel und die damit verbundenen positiven Gefühle vor Augen – warum willst du die Vokabeln lernen? Um dich endlich für die Beförderung qualifizieren zu können? Wie wird es dir gehen, wenn du den neuen Job hast? Oder willst du die Vokabeln lernen, um dich besser mit Freunden verständigen zu können? Was für Gefühle wird es in dir auslösen, wenn dir das endlich möglich ist?  Unser „Warum“ ist ein unglaublich starker Motivator. halte dich daran fest.

Du möchtest noch mehr Ideen zum Vokabellernen? Hier geht es zu Teil II.

Welchen dieser Tipps möchtest du ausprobieren? Schreib es mir in die Kommentare.

Kerstin

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