Vokabeln schnell lernen und dauerhaft behalten - Teil II | Kerstin Wandel

Vokabeln schnell lernen und dauerhaft behalten – Teil II

Vokabeln lernen - Notizbuch und Bleistift

20 Tipps, die du so noch nicht gehört hast

 

Ich bin mir sicher, dass du bereits viele Tipps zum Vokabellernen gehört hast – lerne regelmäßig, schreibe sie dir auf Karteikarten, sprich sie laut vor dich hin oder auch das beliebte „Da muss man sich einfach mal hinsetzen und pauken.“ Aber wir sind nicht alle dafür geschaffen, so zu lernen und überhaupt: Oftmals ist Vokabellernen leichter gesagt als getan.

Nach Teil I, sind hier also weitere 10 Tipps, wie es endlich damit klappt, neue Wörter zu behalten

11. Sei individuell

Karteikarten, DinA4-Zettel oder App? Keiner kann (und hat dir) zu sagen, wie du am besten lernst. Der eine braucht absolute Ruhe, um seine volle Konzentration auf den Lernstoff richten zu können, die andere lernt am liebsten in einem geschäftigen Café. Letztlich gibt der Erfolg dir Recht. Probiere verschiedene Dinge aus und dann bleib bei dem, was dir am besten hilft. Aber hüte dich vor Selbstbetrug! Lernst du schon oder netflixt du noch? 😉

12. Hör auf, dich zu vergleichen

Eins der hinderlichsten Dinge, die du machen kannst, wenn du eine Fremdsprache lernen möchtest, ist, dich mit anderen zu vergleichen. Vielleicht muss jemand anders sich eine Vokabelliste nur angucken und kann die neuen Wörter sofort anwenden. Aber wenn du auf andere schaust und lieber so sein möchtest wie sie, verschwendest du Energie, die du viel besser darin investieren könntest, herauszufinden, wie du Spaß beim Lernen haben kannst. Du bist einzigartig gemacht, auch was das Lernen angeht, und das ist eine gute Sache.

13. Experimentiere und habe Spaß dabei

Verschiedene Menschen brauchen verschiedene Dinge, die ihnen helfen, sich Dinge zu merken. Die einen lernen am besten in konkreten Situationen, im Ausland oder indem sie mit Muttersprachlern sprechen – das ist der kommunikative Lerntyp. Andere Menschen lernen besser, indem sie den Stoff sehen. Das sind z.B. diejenigen, die sich eine Vokabelliste nur anschauen müssen und schon die neuen Wörter kennen. Diesem visuellen Lerntyp hilft alles, was den Stoff in Bilder verpackt, mit Farben versieht oder graphisch darstellt.  Ähnlich geht es dem auditiven Lerntyp, nur dass er am besten lernt, wenn er das zu Lernende hören kann, indem er sich z.B. Vokabeln vorspricht, fremdsprachige Podcasts hört oder Lieder mitsingt. Der haptische Lerntyp möchte alles buchstäblich greifbar machen. Er lernt am besten, „hands on“, also durch Bewegung, Schreiben oder praktisches Ausprobieren. Der kognitive Lerntyp liebt Regeln, Übungen und Tabellen. Wenn du zu dieser Sorte gehörst, wird es dir schwerfallen, eine Grammatik-Regel einfach aus einem Text, den du liest, abzuleiten und wirst wahrscheinlich eher frustriert sein, wenn man dich einfach erst mal ausprobieren lässt, bevor man dir das zugrundeliegende Prinzip erklärt. Und das ist auch völlig ok.  

Die meisten von uns sind Mischtypen und bei uns allen es so, dass wir am schnellsten und anhaltendsten lernen, wenn wir möglichst viele verschiedene Zugänge zu dem Stoff schaffen.  Du kannst natürlich zusätzlich auch mit Methoden, Uhrzeiten, und unterschiedlichen Lernumgebungen experimentieren. Lernst du am besten alleine, morgens oder beim Joggen im Park? Probiere es aus 🙂  

14. Fordere dich selbst heraus:

No pain, no gain– kein Schmerz, kein Gewinn. Du wirst nur wachsen können, wenn du Dinge angehst, die zu schwierig für dich sind. Lies ein fremdsprachiges Buch, schaue einen Film in der Fremdsprache, beteilige dich an einer Diskussion auf Facebook. Es ist alles erlaubt, was sich ein bisschen unangenehm anfühlt.

In der Uni hatten wir einen Professor, der uns mittelalterliches Englisch beibrachte – glaube mir, das ist nicht mit modernem Englisch zu vergleichen! –  indem wir ein ganzes Buch auf „middle English“ lesen mussten. Ohne Einführung, nur mit einem Wörterbuch versehen. Die ersten Kapitel waren eine Qual, weil ich quasi nichts verstand und es unglaublich langsam voranging. Aber am Ende des Semesters hätte ich mich durchaus mit einem „mekyl knyght“ – einem mächtigen Ritter im 13. Jahrhundert unterhalten können. Das ist jetzt nicht unbedingt etwas, das ich viel in meinem Leben angewendet habe, aber wie bereits in Teil I gesagt, ist eine Sache, die super funktioniert, eine Zeitschrift zu lesen zu einem Thema, das du liebst. Und wenn das Ritter sind, dann viel Spaß damit 🙂

15. Befreunde den Frust

Wenn du dich herausforderst, bleibt Frust natürlich nicht aus. Manche Vokabeln wollen einfach lange Zeit nicht in den Kopf oder obwohl du super viel gepaukt hast, kommt dir trotzdem alles Spanisch vor. Also außer Spanisch ist die Sprache, die du lernen willst, dann ist das natürlich großartig! Das ist normal und geht jedem so. Dem einem mehr, dem anderen weniger. Wenn du an diesem Punkt nicht aufgibst, sondern dich erinnerst, dass du neue Dinge lernen kannst und dass es die Mühe wert sein wird, wirst du erreichen, was du schaffen willst! Die einzigen, die garantiert nie ans Ziel kommen, sind diejenigen, die auf halbem Weg aufgeben. Du schaffst das!

16. Belohne dich

Harte Arbeit will belohnt werden! Was kannst du dir Gutes tun nach einer 20-minütigen Lern-Session? Verknüpfe das Lernen mit etwas, das dich das Leben genießen lässt. Ist es eine entspannte Tasse Tee auf dem Balkon? Ein Gespräch mit der besten Freundin? Wichtig hierbei ist, dass du erst die Arbeit investierst und dass Arbeit und Belohnung in einem guten Verhältnis stehen und dass die Belohnung, die du wählst, dafür sorgt, dass du dich dauerhaft gut fühlst. Z.B. täglich eine Tafel Schokolade zu essen, nachdem du 5 Minuten Vokabeln wiederholt hast, gibt dir zwar ein schnelles Glückshormon-Hoch, wird es dir aber auf Dauer weder erleichtern, Vokabeln zu wissen noch deine Hose zu schließen 😉  

17. Mach mal Pause

Wenn du viel gelernt hast und nichts im Kopf bleiben will, leg dein Vokabelheft (oder die Karteikarten, die Vokabel-App…) beiseite und mach mal ein paar Tage nichts damit. Manchmal muss sich unser Gehirn einfach mit etwas anderem beschäftigen, um Informationen korrekt zu verarbeiten und zu speichern. Setz dich nach ein paar Tagen Pause noch einmal ran und schau, was hängen geblieben ist. Ich wette, du wirst erstaunt sein, an wieviel du dich erinnerst. Hierbei wird Punkt 5 wieder wichtig – Gib nicht auf!

18. Wende die Vokabeln immer wieder an

Wir brauchen 6-10 Wiederholungen in immer größeren zeitlichen Abständen, damit eine Vokabel dauerhaft verankert bleibt. Das klingt aber komplizierter als es ist. Wenn du ein sehr strukturierter Typ bist, wird es dir helfen, mit einem Karteikarten-System zu arbeiten, bei dem du regelmäßig Wörter wiederholst, die du vor einiger Zeit gelernt hast oder indem du mit einer App arbeitest, die dich automatisch erinnert, dass es an der Zeit ist, bestimmte Vokabeln zu wiederholen. Wenn du ein eher situativer Lerner bist, wird es dir leichter fallen, die Wiederholung in deinen Alltag einzubauen und z.B. die Vokabeln für Lebensmittel während des Einkaufens im Supermarkt zu wiederholen, indem du versuchst, alles, was du siehst, in der Fremdsprache zu benennen. Wenn du dir gerne bessere Routinen angewöhnen möchtest, kannst du dir auch noch mal Punkt 8 in Teil I anschauen.

19. Lerne typgerecht

Damit meineich jetzt nicht die Lerntypen aus Punkt 13, sondern eher: Lerne so wie es für deine Persönlichkeit und deine momentane persönliche und berufliche Situation passt. Wenn du gerade drei Kinder unter 10 zu Hause hast, du ein eher introvertierter Mensch bist und dein Leben zu einem großen Teil daraus besteht, deine Kinder nach der Arbeit zu Freunden und Aktivitäten zu fahren, dann sei ein bisschen gnädig mit dir. Jeden Tag eine Stunde in abgeschiedener Ruhe zu lernen, ist wahrscheinlich nicht realistisch. Aber vielleicht kannst du 15 Minuten im Auto warten und lernen, während deine Familie sich fertig macht. Wenn du eher extrovertiert bist, wird die Idee eines Online-Kurses ohne direkten menschlichen Kontakt furchtbar für dich sein. Vielleicht kannst du dir eine Lerngruppe suchen, wo du soziale Kontakte und Lernen miteinander kombinierst. Eine Fremdsprache zu lernen ist so individuell wie Menschen es sind. Sei du selbst.  

20. Kombiniere Tipps aus Teil I & II

Und zu guter Letzt kannst du natürlich all diese Tipps miteinander kombinieren. Jetzt vielleicht nicht alle 20 zur gleichen Zeit, aber immer so zwei oder drei. Du kannst z.B. eine Serie in der Fremdsprache schauen, zwischendrin pausieren, versuchen, dich an bestimmte Worte oder Dialoge zu erinnern, diese laut vor dich hinsprechen, den Dialog noch einmal anschauen und mitsprechen und dann versuchen, dich daran zu erinnern, wenn du auf der Straße jemanden siehst, der einem der Schauspieler ähnelt. Deiner Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt. Wichtig hierbei ist nur: Entscheide dich für ein oder zwei Tipps und probiere sie mindestens drei Tage (besser eine Woche) lang aus, bevor du die Idee verwirfst. Wenn du eine Methode gefunden hast, die für dich funktioniert, wende sie mindestens drei Wochen lang an, bevor du eine neue Art des Lernens hinzufügst. Nur so können sich Routinen einschleifen und du dir wirklich nachhaltig Vokabeln merken.

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Kerstin

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